Ich will kein Bettler sein
Der zehnjährige brutale Bürgerkrieg in Sierra Leone hat das Land verwüstet und den Menschen Zerstörung und Armut hinterlassen.
Der 15-jährige Bambay, seine Mutter und zwei Geschwister flohen während des Krieges aus ihrem Dorf und versteckten sich einen Monat lang im Busch. Als sie nichts mehr zu essen hatten, ging Bambay zurück, um Nahrung zu suchen. Er wollte noch am selben Tag zur Familie zurückkehren, doch es wurde spät und er blieb über Nacht im Dorf. Eine fatale Entscheidung…
Denn in der Nacht wurde das Dorf von Rebellen angegriffen. „Du hast für den Präsident gestimmt!”, schrieen sie ihn an. Bambay versuchte zu erklären, dass er erst 15 war und gar nicht wählen durfte. Aber sie hörten nicht hin. Sie hackten ihm beide Hände ab und überliessen ihn mit anderen verstümmelten Dorfbewohnern dem sicheren Tod.
Am nächsten Tag fand man ihn und brachte ihn in eine nahe Kirche. Eine Nonne brachte ihn in ein Krankenhaus und pflegte ihn gesund. Sie fragte ihn, was er tun würde, wenn er jemals dem Mann begegnete, der ihm die Hände abgehackt hatte. „Ich bringe ihn um!“, erwiderte Bambay.
Die Nonne begann, den Samen der Vergebung in sein Herz zu pflanzen. Sie erklärte ihm, wie wichtig es für seine Zukunft sei, Hass und Wut, die ihn verzehrten, loszuwerden.
Sie bereitete ihn auch auf ein selbstständiges Leben vor, indem sie dafür sorgte, dass die beiden Armstümpfe in einer Operation getrennt wurden, so dass er greifen konnte.
Eines Tages sah Bambay den Mann, der ihn verstümmelt hatte. Er rannte hinter ihm her, brachte es aber nicht fertig, ihn zu töten. Der Same der Vergebung war aufgegangen. Freunde boten an, den Mann für ihn umzubringen, aber Bambay liess es nicht zu. Der Mann flehte um sein Leben. Und Bambay vergab ihm…
Dieser Akt der Vergebung half ihm, vorwärts zu kommen. Er heiratete Mary und hat heute mit ihr eine kleine Tochter, Ann.
Letztes Jahr war Bambay einer der Teilnehmer am landwirtschaftlichen Schulungsprogramm von Mercy Ships. Ziel des Projekts ist, die Menschen mit besseren Anbaumethoden und Führungsprinzipien vertraut zu machen. Damit können sie andere in ihren Dörfern anleiten. Bambay möchte das Gelernte umsetzen, um psychisch Kranken, Alkohol- und Drogenabhängigen in seinem Land zu helfen.
Weil er vergeben konnte, ist er entschlossen, noch viel mehr zu erreichen als sein früheres Ziel, „kein Bettler zu sein!”


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