Schweiz

Zukunft und Hoffnung

Können Sie sich vorstellen, dass Ihr ganzes Leben in einem Augenblick zerbricht? Auf einmal sind Sie Waise, heimatlos, allein. Zu jung, um zu arbeiten. Zu schwach, um nach Nahrung zu betteln. Ihr ganzer Körper ist mit Brandwunden bedeckt...

Alimamy – ein achtjähriger Junge aus Sierra Leone – durchlebte diesen Alptraum. Ein brutaler Bürgerkrieg überzog sein Land. Rebellen hatten die Stadt übergefallen und alles in Brand gesteckt, was sie sahen. Alimamy und seine Eltern waren in ihrem Haus gefangen, das sich schnell mit schwarzem, dunklen Rauch füllte.

Moussa, ein Nachbar, der sich in der Nähe versteckt hielt, sah das Feuer. Er rannte zum Haus, schlug die Tür ein und griff nach der Person, die am nächsten war. Es war Alimamy, brennend und fast bewusstlos.

Moussa wickelte Alimamy in eine nasse Decke, um die Flammen zu ersticken, während andere nach weiteren Überlebenden suchten. Doch die Hitze im Haus war zu gross und machte jeden Rettungsversuch unmöglich.

In diesem Moment verlor Alimamy alles, was er hatte – seine Familie, sein Zuhause und die Hoffnung auf ein normales Leben.

Alimamy überlebte wie durch ein Wunder, aber er erlitt schwere Verbrennungen auf der linken Körperseite. Die Wunden verheilten, doch über den Narben bildeten sich große Beulen und entstellten Oberkörper und Gesicht. Ausserdem konnte er den linken Arm durch die Verwachsungen der Narben kaum mehr bewegen.

Als eines unserer Spitalschiffe vor sieben Jahren nach Freetown in Sierra Leone kam, lernten wir Alimamy kennen. Seine äusseren Wunden waren schlimm, doch wir konnten nur ahnen, wie tief verletzt seine Seele war. Unsere hoch qualifizierten Ärzte für plastische Chirurgie konnten die massiven Schäden reparieren und die Verwachsungen, die über den Narben entstanden waren, lösen, um so die Beweglichkeit und damit auch die Lebensqualität von Alimamy zu verbessern. 

Es dauerte lange, bis Alimamys Arm verheilt war. Deshalb blieb er recht lange an Bord und war mit seinem ansteckenden Lächeln und komödiantischen Talent bald bei der ganzen Crew bekannt.
Im Februar segelt Mercy Ships wieder nach Freetown, um den Menschen in Sierra Leone zum fünften Mal innerhalb von 18 Jahren zu dienen. Alimamy wird in diesem Jahr 20. Ob wir ihn wiedersehen? Wir hoffen es sehr.

Alimamy träumt davon, Arzt zu werden. „Ich liebe Ärzte”, sagt er, „weil ich hier auf dem Schiff gesehen habe, wie sie sich um die Patienten kümmern. Sie sind so nett.“  

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