Schweiz

Aissas neues Gesicht

Aissa bei der Ankunft auf der Africa Mercy im April 2010.
Aissa bei der Ankunft auf der Africa Mercy im April 2010.



Aissa vor der Rückreise in ihr Dorf zu ihrer Familie und einem neuen Leben. Das Transplant wird mehr und mehr einwachsen und einem „normalen“ Gesicht Platz machen.
Aissa vor der Rückreise in ihr Dorf zu ihrer Familie und einem neuen Leben. Das Transplant wird mehr und mehr einwachsen und einem „normalen“ Gesicht Platz machen.

Die siebenjährige Aissa wog nur 11 kg und die Hälfte ihres Gesichts war vom Wangenbrand zerfressen.

Auf einer Strasse in Kamerun wurde Arzthelferin Sarah Roots Aufmerksamkeit auf  ein kleines Mädchen gelenkt, das einen Stofflappen um den Kopf gewickelt hatte, der völlig mit Fliegen bedeckt war. 

Als sie nachsah, was Aissa verbarg, bot sich ihr ein erschreckender Anblick. Eine offene Wunde reichte vom rechten Auge bis zur Wange und vom Mundwinkel bis zum Ohr. Wo die Haut verschwunden war, gähnte ein Loch.

Ursache der Entstellung war Noma, eine Krankheit, die das Gewebe zerfrisst und vor allem armutsbedingt ist – schmutziges Wasser, schlechte Ernährung, mangelnde Hygiene, fehlende Impfungen und ärztliche Betreuung. Die Opfer sind häufig Kinder, deren Immunsystem nach einer Krankheit geschwächt ist. Wenn die Krankheit schnell erkannt und mit Antibiotika behandelt wird, kann sie gestoppt werden. Wenn nicht, hinterlässt sie bleibende Schäden oder endet tödlich. Pro Jahr gibt es eine halbe Million neuer Fälle, vor allem in den armen Ländern Westafrikas, und 90% der Erkrankten sterben innerhalb eines Monats.

Dank Sarahs Eingreifen hatte Aissa eine Überlebenschance. Doch da sie mit ihren sieben Jahren nicht einmal 11 Kilo wog, hing ihr Leben an einem dünnen Faden. Sarah brachte sie ins örtliche Spital und ein Onkel und ihre Grossmutter blieben bei ihr, da die Eltern sie wegen der Krankheit verstossen hatten.

Der kranke Teil von Aissas Wange wurde entfernt und sie wurde mit einem Schlauch ernährt. Nach vier Monaten hatte sie genug zugenommen und war in der liebevollen Atmosphäre regelrecht aufgeblüht.

Nun war Dr. Abigail Boys an der Reihe, eine Allgemeinärztin, die bereits mit Dr. Gary Parker, Chefarzt von Mercy Ships, an Bord der Africa Mercy zusammengearbeitet hat. Sie wusste, dass Aissa auf dem Schiff die nötige Hilfe finden konnte, und sorgte dafür, dass Sarah, die kleine Aissa und ihr Onkel zur Africa Mercy nach Togo fahren konnten. Einmal an Bord, bemühten sich drei renommierte Gesichtschirurgen – Dr. Gary, Dr. Tertius und Dr. Tony – um die Rekonstruktion von Aissas Gesicht.

Während der monatelangen Rekonvaleszenz auf der Africa Mercy bewies Aissa, dass sie über einen starken Charakter verfügt – und einen starken Willen. In der ungewohnten Umgebung mit den anderen Kindern auf der Station, die ihre Sprache nicht kannten, war es aber nicht immer einfach für das kleine Mädchen.

Doch allmählich wurde sie zugänglich. Sie gewann Freunde und begann zu spielen, zu malen und mitzusingen. Sie lernte sogar ein paar englische Sätze und umarmte die Schwestern und rief: „I love you!“ (Ich liebe dich!)

Aissa muss später noch einmal operiert werden, bis ihr Gesicht völlig wiederhergestellt ist. Im Moment ist sie zurück in ihrem Dorf in Kamerun, um sich wieder mit Familie und Freunden anzufreunden. Und sie kann ihnen einen anderen englischen Satz beibringen, den sie an Bord der Africa Mercy gelernt hat: „I’m pretty!“ (Ich bin hübsch!)

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