Aussicht von Marina

Marina, Pflegefachfrau aus Mönchaltorf (ZH), war fast 3 Monate auf der Africa Mercy.
Wir sind eine bunt gemischte Gruppe, die an diesem Abend das Restaurant am Rande von Lomé betritt. Zusammengebracht hat uns Mercy Ships. Wir teilen uns alle in eine Koje auf der Africa Mercy. „Danke, Herr, dass wir alle hier zusammen sind.“ betet meine Zimmergenossin Liz (Amerika, Fotografin) „Und danke für unsere gute Freundschaft, denn es ist nicht selbstverständlich, dass sich sechs Frauen ein Badezimmer teilen müssen!“ Bei Kerzenschein, Sternenhimmel und Pizza erinnern wir uns alle gemeinsam an unsere Erlebnisse hier in Togo. Auf die Frage, auf was wir uns freuen zu Hause, geben wir alle ähnliche Antworten. Familie, Freunde, ein heisses Schaumbad, schnelles Internet. Dinge, die wir hier vermissen.
Während ich noch an meiner Calzone kaue, macht bereits die nächste Frage die Runde. Was war das Schwierigste während unserer Zeit hier? Für Robyn (Neuseeland, Krankenschwester) war es schwierig, sich an das Leben auf dem Schiff zu gewöhnen. Manchmal kann es eng werden mit 400 Leuten aus fast 30 Nationen. Und für Linda (Amerika, Laborantin) war der Umgang mit den Schicksalen und Geschichten nicht immer einfach zu verarbeiten.
Als wir schliesslich beim Dessert sitzen, kommen wir zur letzten Runde. Was war das Schönste in unserer Zeit auf dem Schiff? Caitlin (USA, Hotellerie) konnte gerade heute eine Leben verändernde Operation live miterleben. Für mich war der Kontakt zu den Patienten das Wertvollste in dieser Zeit. Die Dankbarkeit, die wir zurück bekommen, ist unbeschreiblich. Und zu sehen, wie das Leben so vieler Patienten um 180 Grad verändert wird, ist unglaublich.
Das Allerschönste an der Arbeit hier sind allerdings die Kinder. Manchmal sind die Tage sehr streng, und ich renne irgendwo zwischen Schiff und Admissions hin und her. Und dann steht da plötzlich ein Kind und strahlt mich an. Oder ein Junge springt mir in die Arme, als ich den Spitalflur entlang komme. Oder ein Baby legt müde seinen Kopf an meine Schulter, während die Ärztin die Mutter untersucht. Das sind Momente, für die sich jede Mühe lohnt.
Schliesslich wird es Zeit für uns, zum Schiff zurückzukehren. Wir stoppen sechs „Zemidjans“ (Motorradtaxis) und lassen uns zurück fahren. Zurück zum Schiff mit den 2-Min.-Duschen und zu wenig Schokolade. Zum Schiff, das Hoffnung und Heilung bringt. Zum Schiff, welches das Leben so vieler Patienten verändert hat. Und das auch unser aller Leben verändert hat.


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